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Klassik München

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Rock the Big Band – Interview mit Hermann Skibbe
VON CHARLOTTE HARTWIG – 18. NOVEMBER 2013
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Hermann Skibbe ist ein Rocker wie er im Buche steht: lange Haare, zerrissene Jeans und eine lässige Attitude. Mit seinem Trio spielt er Gitarrenrock, er hat schon unzählige Film- und Fernsehmusiken komponiert und produziert, die Liste seiner Platten-Veröffentlichungen ist schier endlos. Seit über 20 Jahren ist er in der Musikbranche tätig, doch mit “Rock the Big Band” wagt der erfahrene Musiker sich in bisher unbekannte Gefilde. In “einer Koalition des guten Geschmacks” lotet er mit Big Band-Leader Thilo Wolf die Grenzen und Gemeinsamkeiten von Rock- und Big Band-Sounds aus. Thilo Wolf verriet letzte Woche im Interview mit Kulturblog München bereits einige Hintergründe dieser besonderen Kooperation. Nun gewährt uns Hermann Skibbe Einblick in seine Sichtweise der Zusammenarbeit.

© Tristan Ladwein
© Tristan Ladwein
”Rock the Big Band” ist aus einer Bauchentscheidung entstanden. Hatten Sie nach der spontanen Entscheidung mit der Big Band zusammenzuarbeiten zwischenzeitlich Zweifel, ob man die beiden Welten tatsächlich kombinieren kann?
Die Zusammenarbeit auf Thilos Jubiläumsgala und besonders die Reaktion des Publikums darauf ließ keine Zweifel aufkommen bzw. zerstreute sie, falls sie im Vorfeld vorhanden waren. Unser Auftritt wurde ja regelrecht abgefeiert.

Sie haben vor einigen Jahren mit den Prager Philharmonikern zusammen gearbeitet und mit Ihrem Trio nehmen Sie Klassikverrockungen auf. Was interessiert Sie an Crossoverprojekten?
Ist nicht das ganze Leben ein Crossoverprojekt? Aber Schmerz beisaite… Dieses Wort impliziert ja einen Marketinggrundgedanken, so à la Classic meets Rock. Bei so etwas bekomme ich Haut- und sonstige Ausschläge. Unsere “Mozart Bullet” oder der “Beatoven” auf unserer aktuellen Scheibe 3 entstanden auf dem Griffbrett – und nicht auf dem Reißbrett. Und “Rock the Big Band” ist ebenfalls aus Musikliebhaberei entstanden.

Sie produzieren viel für Film und Fernsehen. Wie ist es nun gemeinsam mit so vielen Musikern auf der Bühne zu stehen?
Das muss man selber erlebt haben, um es zu verstehen. Wenn man vor dieser unfassbar guten Bläsersektion steht und das Chrome de la Chrome der blasenden Zunft sozusagen fast im Dolby Surround Sound erleben darf, dann ist das größeres Kino als die meisten Filme je sein werden … Ohrkino!

Was konnten und können die beiden Bands voneinander lernen?
Die Big Band Jungs feiern härter – da können wir Rocker noch einiges lernen!

© Bernhard Weizenegger
© Bernhard Weizenegger
Auf dem ersten Album von “Rock the Big Band”, das im September erschienen ist, finden sich ausschließlich Rocksongs. Könnten Sie sich auch vorstellen, Jazz-Stücke zu “verrocken”?
Sicherlich – wir stellen immer wieder fest wie viele Gemeinsamkeiten es bei musikalischen Themen, in der Rockmusik “Riffs” genannt, gibt. Wir haben da für die Liveshow ein sehr interessantes Element eingebaut: ein praktisch identisches Thema eines Gershwin Stückes mit einem Deep Purple Riff. Wobei wir behaupten, dass George Gershwin es von Ritchie Blackmore geklaut hat ;-)

Haben Sie ein persönliches Lieblings-Big Band-Arrangement?
Ja! Das heißt, ich kann mich nicht entscheiden zwischen “Radar Love”, “The Boys Are Back In Town”, “Burn” und vor allem Thilos Arrangement zu meinem Song “A Thing Called Blues” hat mich wirklich … klingt blöd … berührt!

Ein letzte persönliche Frage an Sie: Was wäre die Welt ohne Musik?
Es könnte sein, dass wir da irgendwie drauf zusteuern. Musik mutiert leider immer mehr zur Dauerhintergrundatmo für alle Lebensbereiche. Damit die bewegte Luft zur Musik wird, bedarf es eines wirklichen Zuhörers!

“Rock the Big Band – Live in Concert”
am 03. Dezember 2013 im Carl-Orff-Saal, Gasteig
Tickets online und telefonisch: 089 / 55 96 86 0