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Rocktimes

Skibbe? Handelt es sich hierbei etwa um den deutschen Fußballlehrer? Nein, Gott sei Dank nicht. Der Name steht eng in Verbindung mit Hermann Skibbe und ist mit keinem Fußballtrainer in irgendeiner Weise in Verbindung zu bringen. Dafür aber mit der Burgauer (liegt zwischen Ulm und Augsburg) Band Skibbe und zum Teil gar mit der Schauspielgröße Sky du Mont! Dass der Film- und Theaterdarsteller neben seriösen Charakterrollen auch gern mal die Ulknudel mimt, bewies er in der Vergangenheit an der Seite von Bully Herbig in dessen deutschem Kinokracher "Der Schuh des Manitu". Nun gibt er sich bei Skibbe die Ehre und hält einen tollen Vortrag übers Klassik-Idol des 18. Jahrhunderts Wolfgang Amadeus Mozart (1756 - 1791). Exakt heißt das Stück "Die Kugel feat. Sky du Mont", und ist an vierzehnter Stelle der Trackliste ihres aktuellen Albums Skibbe III platziert. Ich empfehle hier unbedingt reinzuhören, denn anschließendes "Mozart Bullet" erinnert nicht nur an denselben, sondern besticht mit der eigenen, erfrischend guten Interpretation der Kapelle von Notenläufen des einstigen Musikgenies. Song Nummer fünf "Beat oven" geht spezifisch, wenn auch nur instrumental, auf den nicht minder bekannten Klassikexperten Ludwig van Beethoven (1770 - 1827) ein. Eine tolle Umsetzung der Ideen des bajuwarischen Trios, da gönn' ich mir vor Freude doch glatt 'ne Mozartkugel.
Nach dem ersten Durchlauf halte ich zunächst einen bemerkenswerten Punkt fest. Bis auf den Schlussakt "1200 Friends" sind alle Songs in deutscher Sprache gestrickt, für dessen Entwurf sich der vermutliche Chef der Band und Komponist Hermann Skibbe verantwortlich zeigt. Klasse Hermann! Volle Punktzahl für die Texte! Diese haucht er mal soft ("Immer wenn ich dich seh", "Sprich mit mir") ins Mikro, werden aber auch im Stil einer wahren Rockröhre, so wie bei beim Opener "Rock'n'Roll Zombie", vorgetragen. In der Tat bringt Mister Skibbe bei jedem Teil der Tonkonserve seine außergewöhnlich gut ausgeprägten Stimmbänder zu Gehör. Dass Hermann auch derjenige ist, der die Elektroklampfe hervorragend in Szene setzt, gibt das Line-up zweifelsfrei her. Ob als rhythmische Grundlage oder mit Soloattacken, sein Gitarrenspiel wirkt in jeder Songpassage äußerst gekonnt, wird nie unnötig überzogen, ist eher darauf bedacht, punktgenau zu servieren. Auch hier: es gibt nichts zu meckern!
Hau-Drauf-Experte Harry Reischmann und Tieftonspezi Werner Saumweber, dessen Nachname in jedem Loriot-Sketch vorkommen könnte, sorgen für ein fehlerfreies Klangfundament. Da ist es für Skibbe ein leichtes Unterfangen sich nach allen Regeln der Rockmusik zu entfalten. Überhaupt muss es in seinem Hirn nur so vor Ideen sprudeln, denn seine Songschmiederei ist vom Allerfeinsten. Höre ich anfänglich bei "Rock'n'Roll Zombie" einigeSatrianische Klänge heraus, hat er des weiteren sein Gitarrenspiel mit Blues-, reichlich Hard Rock- und gar mit ein wenig orientalischen Elementen ("Kannst du spürn?") gewürzt. Diese Mischung kommt der Platte insgesamt sehr zu Gute und sorgt damit für reichlich Abwechslung auf dem Scheibchen.
Richtig klasse finde ich "1200 Freunde", ein Song, der sich mit dem sozialen Netzwerk Facebook auseinander setzt und zumindest vom Text her zum Nachdenken anregt. Da Skibbe dieses Thema in ein tolles eingängiges Rhythmuskleid gesteckt hat, traue ich diesem Teil einen Sprung in die Charts zu. Als weitere Lieder mit Hit-Qualitäten habe ich noch "Rock'n'Roll Zombie", "Dumm gelaufen", die wunderschöne Ballade "Immer wenn ich dich seh'", "Augenblick" und "Komm mit mir" auserkoren. Doch bei dieser Aufzählung handelt es sich nur um meine persönliche Momentaufnahme. Denn der Silberling ist dermaßen stimmig, besticht mit für deutsche Verhältnisse außergewöhnlich guter Song-Architektur, sodass ich es gegenüber den anderen Songs schon fast für ungerecht halte, dass ich momentan ausgerechnet die eben erwähnten Tracks als Highlights herausgepickt habe. Die Tonqualität der Tonkonserve schließt sich, Gott sei Dank, dem hochwertigen Songmaterial nahtlos an. Für die komplette Produktion zeigt sich ebenfalls Hermann Skibbe verantwortlich. Mein Eindruck ist: Hier wurde nicht gekleckert, sondern richtig geklotzt!
Fazit: Wann habe ich das letzte Mal ein deutschsprachiges Rock-Album rezensiert, das den Begriff Rock-Album überhaupt verdient? Ich meine, eine deutschsprachige Rockplatte, die sich problemlos am internationalen Standard messen kann? Ganz ehrlich, es muss schon eine Weile her sein, denn ich kann mich nicht erinnern, in letzter Zeit mit so einem tollen Album wie "Skibbe III" verwöhnt worden zu sein. Egal ob Deutsch-, Hard-, Classic- oder Sonst-was-Rock, die Musik muss passen und die vom Songschmied Skibbe passt ausgezeichnet! Die Herren Niedecken, Westernhagen, Lindenberg und Co. mögen sich warm anziehen, denn aus Süddeutschland kommt 'ne Rock'n'Roll-Lawine dahergebrettert, die in der deutschen Musikszene neue Zeichen setzen kann. Etwas Vergleichbares habe ich jedenfalls noch nicht allzu häufig gehört, prophezeie der Band rosige Zeiten und ordne den Lesern dieser Zeilen den bedingungslosen Erwerb der CD an!

Line-up:
Hermann Skibbe (Gesang, Gitarre)
Werner Saumweber (Gesang, Bass)
Harry Reischmann (Gesang, Schlagzeug)

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