pressespiegel

Nürnberger Zeitung

Pianist Thilo Wolf lässt’s richtig krachen

Zeit der Big Bands ist noch nicht vorbei - 02.02. 18:04 Uhr
FÜRTH 
- Der Mann ist experimentierfreudig, da gibt es keinen Zweifel. Auch nach 20 Jahren noch. Denn so lange leitet er seine Big Band schon: der Pianist Thilo Wolf. Zur Geburtstagsfeier finden sich im Fürther Stadttheater zahlreiche Gäste ein. Musiker, die aus den unterschiedlichsten musikalischen Sparten kommen. Und die an den 16 Mann (plus eine Frau) starken Klangkörper unterschiedlichste Anforderungen stellen.
Aber die Band (fünf Leute von der Urbesetzung sind noch immer aktiv) meistert all dies bravourös – schließlich zählt sie zu den besten Big Bands Europas. Und hat auch noch Spaß dabei!

Eine der leichteren Übungen für die Band ist die Begleitung der beiden Sängerinnen, die an diesem Abend gratulierten. Caroline Kiesewetter ist auch als Schauspielerin nicht unbekannt; im Glitzerkleid beweist sie, dass sie eine hörenswerte Singstimme besitzt. Jutta Czurda im nachtschwarzen Outfit ist zwar eher als Balletteuse bekannt, aber sie kann herrlich verrucht swingende Songs interpretieren. Doch das ist sozusagen das Einfachste, was im Stadttheater zu hören ist.
„Deep Purple“ im Big-Band-Gewand
Denn kurz vor der Pause kommt der Münchner Hermann Skibbe mit seiner Band auf die Bühne. Das sind drei Hardrocker mit jahrzehntelanger Erfahrung, und wie das Trio den alten Deep-Purple-Kracher „Black Night“ zusammen mit der Big Band interpretiert, ist schon hörenswert. Wiewohl sich das Hardrock-Trio lautstärkemäßig sehr zurückhält.

Nach der Pause geht Thilo Wolf sozusagen in die Klassik-Abteilung. Karsten Nagel ist der Bruder des Band-Saxophonisten und -Flötisten Norbert Nagel; er spielt klassisches Fagott. Und nach einem sehr kurzen, humorvollen Ausflug in die moderne E-Musik nehmen die beiden Brüder dann zusammen mit der Big Band Kompositionen von Willibald Gluck unter ihre Fittiche. Hätten sie es nicht gesagt bekommen, so hätten wohl nur wenige im Publikum geahnt, dass hier Werke aus dem 18. Jahrhundert den modernen Arragements zu Grunde liegen. So frisch kann Klassik klingen!

Wieder ein Stilwechsel, diesmal zu knalligen Funky-Rhythmen. Ein Überraschungsgast zupft fingergewaltig den E-Bass: Hilmar Kahl, der Bruder von Thilo Wolfs Lebensgefährtin Beatrice Kahl, die übrigens an den Keyboards werkt (und – wie erwähnt – die einzige Frau in der Band ist).

Und dann rollt er samt seinem Schlagzeug auf die Bühne: Charly Antolini. Der immerhin 75-jährige Altmeister der Jazz-Schlagzeuger will gar nicht mehr aufhören vor lauter Spielfreude und irgendwann steht Bandleader Wolf nur noch lachend auf der Bühne und lässt seinen einstigen Schlagzeug-Lehrer sich austoben.

Die Zeit der Big Bands sei vorbei, meinen manche Musikkritiker. Dass dem nicht so ist, dafür steht mit an vorderster Stelle die Thilo Wolf Big Band. Und man muss keine Angst haben, dass ihm und seinen Mannen die Ideen ausgehen. Also dann bleibt nur zu wünschen: Alles Gute für die nächsten 20 Jahre! 
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